Die Bauernhof Chronik des Messnerhofs

Der Dorfmoar, so hieß der Hof ursprünglich, war ein kleiner Bauernhof in Tiers und gehörte dem Geschlecht Robatscher an. Herr Robatscher, der Bauer, leistete damals Mesnerdienst in der Pfarre St. Georg. Das Ehepaar Robatscher, welches den Hof bewirtschaftete, blieb kinderlos.

Im Ort lebte ein zugewanderter Bäckermeister aus dem Geschlecht Damian. Einer der beiden Söhne, Anton Damian, geboren am 05. Februar 1805, wurde vom Ehepaar Robatscher angenommen und aufgezogen. Anton erwarb so den Dorfmoar-Hof.

Der Hof warf nur wenig ab und Anton konnte seine Familie nicht ernähren. So sprach er beim Bischof von Brixen vor, der bis 1803 auch weltlicher Fürst war, und daher den größten Besitz in Tiers verwaltete. Der Bischof verpachtete an Damian Anton 5 ha Wiesen und Äcker und 20 ha Wald. Der Hof wurde von da an als Meßnerhof und geschlossener Hof registriert. Gleichzeitig ist der Hof auch mit dem Mesnerdienst belastet, das heißt, dass jeder Hoferbe verpflichtet ist, diesen Dienst weiter zu versehen. Dazu gehört Glocken läuten, die Geistlichen bekleiden, die Kirche in Ordnung zu halten, Blumenschmuck usw. Zur damaligen Zeit war dies eine große Ehre. Der Dorfmesner war einer der meist geschätzten Bürger im Ort. Außerdem zählte der Meßnerhof nun zu den fünf größten Höfen in Tiers. Das Gebäude, welches aus Stall, Haus und Scheune bestand, wurde vergrößert.

Der Nachfolger von Anton Damian, Anton Damian „der Jüngere“, baute nach der Hofübernahme Haus und „Stadl“ getrennt auf. Im Keller waren Getreidekammern, Backofen und Waschküche untergebracht. Erdgeschoss und 1. Stock bewohnte die Bauernfamilie. Im Erdgeschoss befand sich eine große Bauernstube, eine Küche, eine Selchküche zum Räuchern von Speck und Wurst, mit offenem Kamin und eine Milchkammer, mit „Zentrifuge“, „Butterkübele“ usw., zur Verarbeitung von Milch. Es wurde „gebuttert“ und „gekast“. Die Schlafräume und das Plumsklo befanden sich im 1. Stock. Im Dachboden wurden Lebensmittel wie Nüsse, Brot und Obst aufbewahrt. Drei „Kammerlen“, die dort ausgebaut wurden, dienten den Mägden und Knechten als Unterkunft. Auch die Handwerker, die jedes Jahr auf die „Stör“ kamen, schliefen dort. Das waren Stricker, Tischler, Schneider, Schuster usw. Sie stellten Werkzeuge, Räder, Wagen, „Heutücher“ und vieles mehr für den Gebrauch auf dem Hof her, Möbel, Kleider und Schuhe für die Bauernfamilie. Zum größten Teil wurde mit Lebensmittel, hauptsächlich mit Getreide, entlohnt.
Der heutige Brunnen auf dem Brunnenplatz war die Wasserstelle für den Meßnerhof. Das Vieh wurde dort getränkt. Mit Kübeln wurde das Wasser für den Haushalt geholt. Die gewaschene Wäsche wurde am Brunnen „geschwänzt“, gespült.

Im Hochsommer zog man mit Vieh, Kind und Kegel für 3 bis 4 Wochen auf das Meßner-Joch, eine Almwiese mit „Schupfe“ auf 1.830 m Meereshöhe unterm Rosengarten. Dies nannte man „Sommerfrische“. Die älteren Bauersleute mit einem Knecht blieben im Tal. Das gut getrocknete Heu wurde in der „Schupfe“ eingelagert. Darauf wurde geschlafen. Im Winter wurde das Heu mit Hilfe von Schlitten ins Tal, zum Hof gebracht.

1919 übernahm ein weiterer Anton Damian, geboren 1884, den Hof. Er ließ 1928 das Gasthaus Paradies erbauen und großzügig einrichten. Dabei entstanden Schulden. Der Hof wurde mit einer sehr hohen Hypothek belastet. Es folgten wirtschaftlich schlechte Zeiten und Mitte der 30er Jahre musste das Gasthaus an eine italienische Gesellschaft verkauft werden. Mittlerweile wird es wieder von einheimischen Besitzern bewirtschaftet. Dies reichte aber nicht aus den Schuldenberg zu liquidieren. Haus und Hof schienen verloren.
Auf Anfrage an das Inspektorat für Forstwirtschaft, wurde ein einmaliger Holzhieb von 2.000 m³ genehmigt. Das Holz wurde hauptsächlich an einen Händler aus Bozen verkauft und mit den eigenen Pferden und Wagen dorthin transportiert. Der Ertrag reichte schließlich aus um auf dem Hof zu bleiben.
Der älteste Sohn von Anton Damian, auch Anton Damian, ist im Krieg 1945 gefallen. Der zweitgeborene Sohn Josef Damian erbte 1960 das Anwesen und bewirtschaftete den Hof. 1984 ließ er den neuen Stall mit Futterhaus und Maschinenraum errichten.

1990 überschrieb Josef Damian seinen ältesten Sohn Anton Damian, dem derzeitigen Bauer, den Hof mit Einverleibung. Nachdem die fünf Geschwister ihren Anteil erhalten hatten, hat er sich entschlossen das dürftige Haus zu sanieren.
Im Juli 1997 wurde mit dem Umbau begonnen. Vorgesehen war ursprünglich die Sanierung des Erdgeschosses, wo die Familie von Anton wohnte.
Die schlechte Bausubstanz machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Ein Ausbau war nicht möglich. Das Haus wurde bis auf den alten Speckkeller abgebrochen, dieser musste aus gesetzlichen Gründen erhalten bleiben.
Die Familie Damian beschloss, Ferienwohnungen einzurichten und dürfte dann 1998 die ersten Gäste auf unserem Hof begrüßen.